Frucht & Faulheit

22. Juni – 20. August 2017

Bárbara Wagner & Benjamin de Burca
Adriano Costa
Pedro Wirz
Carlos Vasconcelos
Carla Chaim

Kuratiert von Konstantin Lannert

<p>Adriano Costa PoorFlag, 2016<br />
embroidery on bath towel</p>

Adriano Costa PoorFlag, 2016
embroidery on bath towel

Die Ausstellung „Frucht & Faulheit“ untersucht im Kontext des (post-) kolonialen Brasiliens das Finden und Gestalten von Identität, das Erzählen von der Magie der Natur, der Mystik des Fortschritts und des (falschen) Zaubers des Kapitalismus. Sie versammelt Arbeiten junger brasilianischer Künstler*innen und blättert währenddessen in Schriften der brasilianischen Moderne von Mario und Oswald de Andrade. “Frucht & Faulheit” fragt nach den Bedingungen von Kultur, Gemeinschaft und Nation sowie der Verknüpfung dieser Begriffe.
Die Ausstellung versucht ästhetischen Fährten von Mario de Andrades „Macunaíma“ (1928) und Oswald de Andrades „Anthropophages Manifest“ (1928) in der Gegenwartskunst Brasiliens nachzuspüren. Beide Texte entfalten eine unmittelbare Wirkung auf die
Zeitgenossen der Verfasser und prägen nicht nur die Literatur der kommenden Jahrzehnte, sondern eben auch die Entwicklung der bildenden Kunst Brasiliens entscheidend mit.
Während es den Autoren um die Bildung eines eigenständigen Bewusstseins geht, um die Begründung eines tropischen Regionalismus, um ein Manifest zur Etablierung des Charakters Brasiliens gegenüber den kolonialen und kapitalen Einflüssen Europas, stellt sich in der Gegenwart einerseits die Frage, was aus diesem Versuch geworden ist – und wie diese heutigen künstlerischen Äußerungen zu den Deklarationen der Moderne aussehen könnten.
Der Modernismo Brasileiro wird während der „Woche der modernen Kunst“ im Februar 1922 in São Paulo ausgerufen. Er stellt sich gegen einen importierten Symbolismus und Parnassianertum, indem er sich einer landesüblichen, der gesprochenen Sprache anlehnenden Schreibweise und Rhetorik bedient und sich so gegen den Wortschatz und Satzbau Portugals, der vormaligen Kolonialmacht, behaupten möchte. Statt sich einer reinen Diktatur der Logik zu unterwerfen, greifen die Autoren Erzählungen der indigenen Bevölkerung auf und mischen Mythen mit magischem Realismus.
Die in der Ausstellung vertretenen Künstler*innen, Carla Chaim, Adriano Costa, Bárbara Wagner und Benjamin de Burca, Carlos Vasconcelos und Pedro Wirz arbeiten in unterschiedlichen Medien und an verschiedenen Orten. Sie reflektieren – ohne dabei einen repräsentativen Anspruch zu

erheben – die Heterogenität einer “Kulturnation”. Ihre Arbeiten oszillieren zwischen Natur und Kultur, zwischen Wildnis und Zivilisation, konkreter Form und überwucherndem Chaos, zwischen Katholizismus, Candomblé und Cachaça. Und machen dabei zuallererst deutlich, dass es sich bei diesen Begriffen nie um Gegensätzlichkeiten oder Pole handelt, sondern um Amalgamierungen, Verwachsungen und Interdependenzen.
„Frucht & Faulheit“ ist einerseits eine träge, verdorbene, phlegmatische und ungenießbare Ausstellung. Andererseits ist „Frucht & Faulheit“ saftig, nährend, erfrischend und voller Reize.

<p>Bárbara Wagner & Benjamin de Burca<br />
Still aus: FAZ QUE VAI / SET TO GO<br />
HD Video 12’  2016</p>

Bárbara Wagner & Benjamin de Burca
Still aus: FAZ QUE VAI / SET TO GO
HD Video 12’ 2016

<p>Bárbara Wagner & Benjamin de Burca<br />
Still aus: FAZ QUE VAI / SET TO GO<br />
HD Video 12’  2016</p>

Bárbara Wagner & Benjamin de Burca
Still aus: FAZ QUE VAI / SET TO GO
HD Video 12’ 2016