THE OUTCOME OF THE PATTERN 1 & 2

12. Dezember 2019 – 26. Januar 2020

Oona Doherty & Luca Truffarelli / Hayahisa Tomiyasu \ Thomas Breitenfeld / Böhler & Orendt / Liesel Burisch / Mark Dion / Silas Inoue /Nina Sten-Knudsen / Mårten Lange / Guillaume Simoneau  / Matthias Ziegler Sound Tracks: Stine Grøn / Katrin Petroschkat / Tania Ballentine / Kate Tempest \ Ann Noel / everyedition

<p>Hayahisa Tomiyasu</p>

Hayahisa Tomiyasu

1 – ongoing
Oona Doherty & Luca Truffarelli / Hayahisa Tomiyasu
Kuratiert von Jörg Koopmann

2 – altering
A small Salon for tiny and big creatures and creations
Thomas Breitenfeld / Böhler & Orendt / Liesel Burisch / Mark Dion / Silas Inoue /Nina Sten-Knudsen / Mårten Lange / Guillaume Simoneau  / Matthias Ziegler \\. Sound Tracks: Stine Grøn / Katrin Petroschkat / Tania Ballentine / Kate Tempest
Kuratiert Lene Harbo Pedersen

& im Palmenhaus:

Ann Noël / everyedition: YOU

Lothringer13 Kurator Jörg Koopmann verabschiedet sich von der Halle mit einer letzten Ausstellung, die am 12.12. mit einer einmaligen Performance startet. Titel der zweigeschossigen Ausstellung: The outcome of the pattern 1&2, wofür er selbst den Teil 1_ongoing in der Halle entwirft und die Dänische Kuratorin Lene Harbo Pedersen den Teil 2_altering im Nest konzipiert.

Die grosse Halle bietet viel Raum für zwei Künstler. Der Japaner Hayahisa Tomiyasu, ehemaliger Meisterschüler von Peter Piller, bringt seine Fotosequenzen in fragiler Zartheit an die Wände. Die Titel sind knapp, die Formate klein und die Präsentation minimalistisch. Hayahisa bemerkt und verfolgt Prozesse die selbstredend sind, in ihrer Normalität überraschen und voller Poesie sind. Seine Serien erzählen von einem Nashorn das die Unendlichkeit beschreibt, von einem Penis bei einem Stadtspaziergeng oder von Hayas Begegnungen mit einem Stadt-Fuchs. Bekannt wurde Hayahisa aber mit der Serie TTP, einer geduldigen Studie über Menschen und ihr Verhältnis zu einer Tischtennisplatte. So poetisch und amüsiert hat Fotografie den profanen Lauf des Lebens selten begleitet. 

Raumfüllend sind dazu dann die Arbeiten der Künsterlin Oona Doherty aus Belfast kombiniert. Die gefeierte Tänzerin kommt erstmals nach München und bringt eine neue Choreographie mit, die mit früheren Videoepisoden und einer Installation zu einem experimentellen Ausstellungsformat wächst.  Oonas Planung ihrers Münchner Auftritts beschreibt sie so direkt und schnörkellos wie sie auch tanzt: 

„I will present a work in three parts: Death of a Hunter car-instillation. (A nod to all the joyriders who have passed.), the Hard to be soft film series epilog and episode one to four, and Ketamin memories! Hunter slips into a stream of consciousness with  3 levels of transcendence: A: A mother’s Son, B: mistakes of a father. and C: An Angel. Dj truff truff closes the night.“ Diese Performance war am 12.12. zur Vernissage zu sehe und ist nun als Video in die Ausstellung integriert.

Kürzlich schrieb das britische Kunstmagazin ArtReview: „Oona Doherty beim Tanzen zu beobachten hat etwas Übernatürliches, als würde man dabei Zeuge wie eine Menschenmenge durch den Körper einer Frau drängelt und zappelt.“ Ihre schnell wechselnden Posen und Gesten verkörpert die vielfältigen Zerissenheiten in der Präsenz und dem Selbstbild der Menschen, die Oona für ihre Choreografien in ihrem Umfeld genauestens studiert. Ein auf Bühnen rares, dynamisches und liebevolles Bild einer prekären working class, mit Bewegungsabläufen die alle Kanäle körperlich abgespeicherter Erfahrungen und Tiks durchzappen.

Die Halle für zwei Künstler die feinsinnig gegenwärtige Verhaltensmuster sezieren und in berührend direkte Sprache übersetzen können. 

Die Strukturen erweiten sich eine Treppe höher im Nest, einem bewusst sehr dicht gefüllten Raum, in dem stetigen und natürlichen Veränderlichkeiten und deren Zuordnungen nachspürt wird. Alterations – A small Salon for tiny and big creatures and creations nennt Lene Harbo Pedersen diese Verdichtung und versammelt Arbeiten von neun Künstlern.. Allesamt Arbeiten die verschiedenste Existenzen in grössere Verhältnisse und Perspektiven setzten und in enge Verbindungen bringt. Dieser Salon wuchs im Geiste der feministische Theoretikerin Donna Haraway, die das Zeitalter des Chthuluzän formulierte, das eben nicht – wie im Anthropozän – den Menschen ins Zentrum des Denkens und der Geschichte stellt, sondern das Leben und die Beziehungen anderer Arten und Kreaturen.

Harbo Pedersens verwandel das Nest in einen zeitgemäßen Salon mit Referenz zu Idee des Französischen Salons, einem Produkt der Aufklärung. „Thinking of the given situation that has brought us to a new wave of enlightenment, a radical one, where values, ethics and language has to change. The French salons in the 18th century opened up to giving voice to women. I give space to that altering with sound tracks of contemporary female voices. One can hear a danish singer who invented her own language for healing, a choir that salutes former times at Lothringer13, singing about algae’s and a million years ago. There’s also Kate and her political, emotional Tempest … and another singer wonders ‚Maybe I am like the River‘ a mantra that might follow one for a while“ kommentiert Lene Harbo zwinkernd.

Diese Ausstellung tastet vielleicht auch leise und zwischen den Zeilen die Themen der Lothringer13 in den letzten knapp 6 Jahren ab. Letztlich, und gerade zur besinnlichen Zeit und dem Schritt in ein neues Jahrzehnt betrachtet The outcome of the pattern den Kampf um gute Energien, hofft auf Ausdauer und Zuversicht.

<p>Oona Doherty performance am 12.12.19</p>

Oona Doherty performance am 12.12.19

<p>Liesel Burisch</p>

Liesel Burisch

<p>Guillaume Simoneau</p>

Guillaume Simoneau

<p><i>A small Salon for tiny and big creatures and creations</i></p>

A small Salon for tiny and big creatures and creations

<p>Mårten Lange</p>

Mårten Lange