Grußwort von Anton Biebl, Kulturreferent der Landeshauptstadt München zum Ausstellungsstart von "over 13 – reflections on an art space" am 9. Oktober 2020

Am 4. Juli 1980 eröffnete die erste Ausstellung in der "Künstlerwerkstatt" in der Lothringerstraße 13. Die Süddeutschen Zeitung schrieb: "Eine Riesenchance für die neue Kunst – München eröffnet in ehemaligen Fabrikräumen ein Kulturzentrum". Die Chance, so lässt sich heute sagen, wurde höchst erfolgreich genutzt: Seit 40 Jahren wird in den städtisch angemieteten Räumen Kunst präsentiert und häufig auch direkt vor Ort produziert.

Von Beginn an sollten mit diesem Angebot der Kulturförderung nicht nur Künstler*innen  unterstützt werden, sondern auch innovative kuratorische Konzepte. Seit Anfang 2020 leitet die Kulturwissenschaftlerin Lisa Britzger zusammen mit der Kuratorin Luzi Gross das Programm, unterstützt von der Gestalterin Anna Lena von Helldorff. Sie haben sich bereits in verschiedenen Institutionen, Veranstaltungs- und Vermittlungsformaten einen Namen gemacht. In den kommenden Jahren werden sie das Programm des Kunstraums durch ihre kuratorische Handschrift prägen.

„over 13 - reflections on an art space" ist das zweite Projekt ihres Programms für die Lothringer 13 Halle. In diesem Rechercheprojekt befassen sich – passend zum Jubiläum des Kunstraums – ab heute bis Ende Januar 2021 verschiedene Künstlerinnen und Künstler mit der Geschichte der Institution selbst. Im Zentrum steht dabei die Frage nach dem Kunstraum als Ressource für gegenwärtige und zukünftige Projekte. Beiträge von Gabi Blum, Anna Haifisch, Nina Lucia Groß & Tilman Walther, Christine Tanqueray, UnDesignUnit (Sarah Dorkenwald, Karianne Fogelberg) und weiteren Künstler*innen beleuchten die Geschichte und Erzählungen der Lothringer 13 Halle dabei vor allem aus subjektiver Sicht: Ein Kunstort lebt durch die Erfahrungen, Begegnungen und individuellen Wahrnehmungen, die der Ausstellungsraum ermöglicht.

Seit dem Start der "Künstlerwerkstatt" in der Lothringerstraße 13 hat sich der Kunstort immer wieder verändert. 2001 erfolgte die Umbenennung in "Lothringer 13 Halle" – der Name steht seither für eine kuratierte Kunsthalle, die international vernetzt und beachtet ist. Kernaufgabe ist bis heute, die zeitgenössische hiesige Szene zu fördern und breit zu vernetzen. „FLORIDA Lothringer 13“ ergänzt als künstlerischer Produktionsort im Kollektiv die Aktivitäten in der Halle. Und so sind es nach wie vor die Produktion von Kunst und die Interaktion mit der Kunstszene, mit der Wissenschaft und den Besucher*innen jeden Alters, die den lebendigen und in München einzigartigen Kunstort ausmachen.

Kunsträume zu bieten, zu sichern und neu zu schaffen sehe ich als Kulturreferent als eine zentrale Aufgabe an. Wichtig ist, dass das städtische Engagement durch kunstsinnige private  Initiativen unterstützt wird. Gemeinsam schaffen wir Orte und Chancen für die Freien Szenen der Kunst und Kultur in der Stadt München. Überzeugen Sie sich bei einem Besuch in der Lothringer13 Halle bei "over 13" von der Kraft eines solchen Freiraums!

Anton Biebl
Kulturreferent der Landeshauptstadt München

Foto: Tobias Hase

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