From Animal to Mineral

 

15.12.2023—18.2.2024

format

ausstellung

termine

14.12.23, 19 Uhr, Eröffnung
mit einem Grußwort von Stadtrat Leo Agerer in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München und einer Einführung der Kuratorin Magdalena Wisniowska

07.01.24, 15 Uhr, VORTRAG
von Prof. Tim Barker (School of Culture & Creative Arts, University of Glasgow) über „World-Objects“, Michel Serres und die Philisophie der Technik Sprache: Englisch

14.01.24, 14–16 Uhr, talk to me
Offenes Gesprächsformat für Fragen und Ansichten zur Ausstellung mit Julia Richter. Ohne Anmeldung

19.01.24, 18 Uhr, AUSSTELLUNGSRUNDGANG
mit der Kuratorin Magdalena Wisniowska. Ohne Anmeldung

02.02.24, 18 Uhr, AUSSTELLUNGSRUNDGANG
dieser Termin entfällt. Ein Rundgang findet im Rahmen der Finisage am So, 18. Februar statt!

04.02.24, 14–16 Uhr, talk to me
Open discussion format for questions and thoughts on the exhibition with Julia Richter. Without registration

06.02.24, 18.30 Uhr, INCOMPLETE READING GROUP
Anmeldung und Zugang zu den Texten per Email an projekt@lothringer 13.com

18.02.24, 17–20 Uhr, FINISSAGE
mit einem Rundgang durch die Ausstellung mit der Kuratorin Magdalena Wisniowska

Halle

Now closed

11:00–19:00 h

From Animal to Mineral
Judith Adelmann, Rachel Fäth, Sophia Mainka, Hannah Mitterwallner, Jonathan Penca, Maria VMier
kuratiert von Magdalena Wisniowska

"Tiere" sind vor allem Wölfe, Ratten und Wespen. "Mineral" ist alles, was nicht wahrnehmbar ist: Elemente, Teilchen und Moleküle. Der Übergang vom Tier zum Mineral ist die Erfahrung des Werdens, des Überschreitens einer Schwelle, der Veränderung. 

Ich begann meine Lektüre von Tausend Plateaus von Gilles Deleuze und Félix Guattari, insbesondere das Kapitel "1730: Intensivwerden, Tierwerden, Unwahrnehmbarwerden…" 1 während der Corona-Pandemie, als Umweltfragen in fast allen Medien diskutiert wurden. Den Platz des Menschen in der Natur zu definieren, schien eine zunehemend relevante Herausforderung und das Werk von Deleuze und Guattari war hilfreich, um die allzu einfache Unterscheidung zwischen Natur und Kultur zu thematisieren. Mir gefiel, wie sie die Dominanz unserer Spezies über andere als philosophisches Problem der Autonomie formulierten, in dem der Mensch als denkendes Wesen nur den Gesetzen seiner eigenen Konstruktion unterworfen ist. Für Deleuze und Guattari verleiht die Fähigkeit des bewussten Denkens dem Menschen eine Würde, die anderen Lebewesen vorenthalten wird, so dass ihre Stimmen ungehört bleiben.

In Tausend Plateaus hingegen wird die Natur als unendliche Variabilität dargestellt, als "das ganze tausendstimmige Vielfache" von Differenz und Wiederholung 2. Hier ist die Natur ein vielstimmiger Körper, in dem die Stimmen, aus denen dieser Körper besteht, in einem "Geschrei des Seins" widerhallen 3. In diesem Getöse ist meine Stimme eine unter vielen, und viele Stimmen erklingen in meiner. Für Deleuze und Guattari setzt eine Veränderung des kollektiven Verhältnisses des Menschen nicht nur zu den Tieren, sondern zur Erde selbst voraus, dass wir aufhören, nur unsere eigenen Stimmen zu hören und uns des Lärms der anderen bewusst werden. Das ist die Erfahrung des Tierisch-Werdens, des Unwahrnehmbar-Werdens. Wir müssen den Mantel des Menschen ablegen und lernen zuzuhören, die Stimme der Vielen zu werden.

Seit 2021 realisierte ich eine Reihe von Ausstellungen anverschiedenen Orten als Antwort auf verschiedene Aspekte dieses Kapitels von Tausend Plateaus, seien es die darin entwickelten Vorstellungen von Natur, Technologie oder Erinnerung. Die Ausstellung in der Lothringer 13 Halle setzt sich nun direkt mit der Idee des Werdens auseinander, insbesondere mit unserer Beziehung zur Natur. Die an der Ausstellung beteiligten Künstler*innen teilen auf unterschiedliche Weise dieses Anliegen; viele von ihnen im Bewusstsein, im Zeitalter des Anthropozäns zu arbeiten, in dem der Einfluss des Menschen auf den Planeten nicht mehr zu leugnen ist. 

Ihrer Sammlung von Stimmen füge ich meine eigene hinzu, die der Schriftstellerin. Im Raum verteilt finden sich Texte, die ich während der letzten Jahren als Antwort auf das Kapitel über das Werden von Deleuze und Guattari schrieb. Sie stehen in Resonanz mit den Kunstwerken, und die Kunst bewohnt den Text. Die Ausstellung ist ein Experiment zur Konstruktion einer vielstimmigen Population, eines Wolfsrudels, eines Rattenvolkes.

Magdalena Wisniowska, November 2023
 

1) Deleuze, Gilles and Guattari, Félix, A Thousand Plateaus, trans. Brian Massumi, (Minneapolis, London: University of Minesota Press, 2005).
2) Deleuze, Gilles, Difference and Repetition, trans. Paul Patton (New York: Columbia University Press, 1994), 304.
3) Ebd..

Referenz Projekt/e
In der diesjährige Ausstellungsreihe Thought in Practice zeigt GiG Munich ROBOTA CeLLs von Susanne Kühn im Programm von Various Others 2023
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GiG Munich setzt auch in diesem Jahr die Zusammenarbeit mit der Lothringer 13 Halle fort. Die neue Ausstellungsreihe "Thought in Practice" startet mit der Ausstellung "Doxa" von Paul Valentin.
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