im/possible images

 

15.7.—19.9.2021

format

ausstellung, summer school, projekt

ereignisse

summer school im/possible summer school

termine

15.07.21, 16 – 21 Uhr, soft opening
mit Welcome notes von Marion Lüttig, Stadträtin der Landeshauptstadt München in Vertretung des Oberbürgermeisters und Einführung in das Projekt von Rosa Menkman und Luzi Gross

19.07.21, bis 24.07.2021, im/possible summer school
Talk, open weather workshop, screening mit Rosa Menkman, Sasha Engelmann & Sophie Dyer u.a.

02.09.21, 18.00 Uhr, Rundgang mit Luzi Gross
Teilnahme ohne Voranmeldung möglich

11.09.21, 15 Uhr, Rosa Menkman zu im/possible images
Eine Veranstaltung im Rahmen von various others

Halle

Now closed

Freitag, geschlossen

Mit Beiträgen von Memo Akten, Peter Edwards, Sasha Engelmann & Sophie Dyer, Fabian Heller, Rosa Menkman, Susan Schuppli, UCNV, Alan Warburton u.a.
Konzipiert von Rosa Menkman


Digitale Bilder sind allgegenwärtig. Sie dienen der Information, der Selbstinszenierung im Alltag, als Beweismittel oder als Werkzeuge in den Wissenschaften. Mit Bildern zeigen, erfinden und gestalten wir unsere Wirklichkeit. 
Aber es gibt auch die unsichtbaren Bilder, die von Maschinen für andere Maschinen gemacht werden um Menschen und Situationen zu filtern, zu klassifizieren und einzuordnen. Bisweilen wird sogar behauptet, dass unser Leben nahezu vollständig von optischen Regimen regiert wird. Doch wie arbeiten diese Regime?

Was wir überhaupt sehen und uns vorstellen können, hängt maßgeblich davon ab, welche Mittel und Verfahren des Wahrnehmens wir zur Verfügung haben. Damit eine Vorstellung oder ein Ding in den Bereich des Sichtbaren eintreten und Bild werden kann, muss es “aufgelöst“, umgerechnet oder übersetzt werden. Diese Übersetzungsprozesse (resolution processes) unterliegen Politiken, Programm-Regeln und Kompromissen, die meist unsichtbar bleiben, dabei aber einen großen Einfluss auf das Gezeigte haben.

Das von Rosa Menkman konzipierte Projekt im/possible images zeigt recherchebasierte Arbeiten internationaler Künstler*innen, die black boxes alltäglicher Bildverarbeitungstechnologien für uns öffnen: Wie beeinflussen die Möglichkeiten der Bildberechnung die Produktion und Wiedergabe von Bildern? Wann führen Abweichungen im Prozess des Bildermachens zu gänzlich ‘neuen’ Darstellungen? Und kann man Bildern zuhören?

Von unsichtbaren Bildern über synthetische Bilder bis hin zu computerbasierten Bildern, reflektiert im/possible images Funktionsweisen heutiger Bildproduktion und -rezeption. 
Im Rahmen einer im/possible summer school mit Workshops, lectures und screenings erkunden internationale Gäst*innen, lokale Künstler*innen und Forscher*innen (digitale) Bildinfrastrukturen. Besuchende sind herzlich eingeladen mit uns an die Ränder des Wahrnehmbaren zu navigieren und dabei ins Universum der un/möglichen Bilder einzutauchen.

Die Künstlerin, Forscherin und Kuratorin Rosa Menkman (*1983, lebt und arbeitet in Amsterdam) wurde von Luzi Gross mit ihrem Projekt zu im/possible images in die Lothringer 13 Halle eingeladen. Rosa Menkman forscht und publiziert zu Auflösungsstudien (resolution studies), Shadow Knowledge, Glitch-Artefakten und un/möglichen Bildern. Sie war Co-Kuratorin des GLI.TC/H-Festivals in Chicago und Amsterdam, kuratierte das Aesthetics-Symposium der Transmediale (2012) und war Teil des kuratorischen Teams von Sonic Acts (2016-2017). Derzeit forscht und unterrichtet sie im Bereich Neue Medien & Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel. 2019 gewann sie den Collide, Arts at CERN Barcelona Award, der mit einer dreimonatigen Residency verbunden war, die unter anderem das aktuelle Projekt inspirierte.

*    *    *

Die Ausstellung im/possible images
Ein Überblick mit Links zu Künstler*innen, Arbeiten und Materialien


Am Eingang der Lothringer 13 Halle bot ein Computer Zugang zur digitalen Version der Ausstellung mit dem Titel: the BLOB of im/possibe images, entwickelt zu Beginn der Pandemie 2020, als es keine Möglichkeit gab, Bilder in physischen Räumen zu teilen. Der BLOB beherbergt eine virtuelle Sammlung un/möglicher Bilder, die Rosa Menkman während ihres Aufenthalts am CERN, während sie das Arts at CERN/Collide-Barcelona-Stipendium innehatte. Dort stellte sie jedem*r Wissenschaftler*in die gleiche Frage: 

Imagine you could obtain an 'impossible' image, of any object or phenomenon that you think is important, with no limits to spatial, temporal, energy, signal/noise or cost resolutions, what image would you create?

Der BLOB diente als virtuelle Heimat für die Sammlung un/möglicher Bilder, die aus dieser Frage hervorging. Im Sommer 2021 wurde die Sammlung in der Lothringer 13 und mit der Ausstellung im/possible images auch physisch zugänglich.

Aus der analogen Fotografie kennen wir den latenten Bildraum als Zustand, inn dem lichtempfindliches Material belichtet wurde, aber (noch) nicht den Entwicklungsprozess durchlaufen hat. Es ist der Raum, der vom Licht berührt wurde, aber noch keine Spuren (in Form eines Bildes) aufweist. Die Ausstellung im/possible images verwendet den Begriff des latenten Bildes als ein erweitertes Konzept und hypothetischen Raum, der alle vorstellbaren und unvorstellbaren Bilder umfasst, die jemals dargestellt werden könnten. Eine Hauptprämisse von im/possible images ist, dass ein einmal gewählter Rendering-Parameter wie ein metaphorischer Schnitt durch den Raum des latenten Bildes wirkt und ihn in mögliche und unmöglich gewordene Bilder aufteilt. Jedes Rendering verwirklicht also bestimmte Bilder, während sie andere ausschließt.
Im Lothringer werden diese Parameter oder Achsen als architektonische Elemente materialisiert, die den Raum buchstäblich durchschneiden und fünf Kategorien von Unmöglichkeit einführen.
Sie werden dem Publikum als Landkarte angeboten, auf der es sich bewegen kann, als Achsen, die den Raum der un/möglichen Bilder schneiden:

all possible images
alle möglichen Bilder

Die Achse aller möglichen Bilder dient nicht wirklich als Achse, sondern vielmehr als Eingang in den hypothetischen, latenten Bildraum der Lothringer 13 Halle, der alle denkbaren und nicht darstellbaren Bildern enthält.

Arbeit:
Fabian Heller, Alle möglichen Bilder [True Color, Full HD], Druck auf PVC, 18x2 Meter, 2021.

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low fidelity images
Bilder mit geringer Wiedergabetreue

Manchmal werden die Parameter, mit denen das Bild ursprünglich erstellt wurde, von der Bildverarbeitungstechnologie, mit der es sichtbar gemacht wird, nicht unterstützt. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn das Kodierungssystem (der Codec) nicht mehr unterstützt wird oder die Anzahl der Pixel des Bildes höher ist, als die Auflösung des Bildschirms oder des Computers, von dem es verarbeitet wird.
In diesem Fall kann die Technologie oder der Decoder manchmal noch versuchen, die Bilddaten zu "interpretieren". Dies hat zur Folge, dass der Träger, mit dem das Signal in ein Bild übersetzt wird, das schließlich angezeigte Bild beeinflusst und möglicherweise verformt.
Diese Achse fungiert als imaginäre Schwelle, die im Bereich der Rendering-Technologien existiert und signalisiert, dass einige Bilder gerendert werden können und andere nicht, und dass es auch einen Grenzbereich gibt, in dem das angezeigte Bild als mehrdeutige Interpretation existiert.

Arbeiten:
UCNV, Supercritical, Videoinstallation, 2019.
Peter Edwards, Nova Drone, Interaktive Installation, 2012.
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images based on speculation, dis/belief or imagination
Bilder, die auf Spekulation, Unglauben oder Imagination beruhen

Während einige Bilder als Beweise, mit "hoher Akutanz" oder als wahrheitsgetreu präsentiert werden, sind die Prozesse, durch die sie produziert wurden, in Wirklichkeit mit Werten, Voreingenommenheit oder sogar fehlerhaften Interpretationen behaftet. Denken Sie zum Beispiel an das Bild des Schattens eines schwarzen Lochs, das aus einem Haufen wissenschaftlicher RAW-Daten erstellt, dann aber durch künstliche Farbgebung verbessert wurde. Oder die Basiskarte des Planeten Erde, die von Google Maps verwendet wird, die wolkenfrei ist, während sie von uneinheitlichen Schatten bevölkert wird.

Arbeiten:
Susan Schuppli, Can the Sun lie? Video, 2014-2015
Sasha Engelmann & Sophie Dyer, Open Weather, Installation & Workshop, 2020-2021
Rosa Menkman, Whiteout, Video (15 Min.), 2020
Ingrid Burrington "forever noon on a cloudless day", Zitat
NASA-Basiskarte der Erde, Ausdruck

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chronologies of im ⁄ possibility
Chronologien des Un ⁄ Möglichen

Technisch gesehen könnte das, was einst möglich war, unmöglich werden, während einige Bilder, die heute unmöglich sind, in der Zukunft möglich werden könnten. Diese Achse fungiert als Zeitachse, auf der sich einige Bilder vom Möglichen zum Unmöglichen bewegen und umgekehrt.

Dokumentation:
Röntgen, Röntgenaufnahme, Druck, 1896
NASA Voyager / Carl Sagan, pale blue dot, 1990 
Medipix, Spektroskopisches Röntgen, 2018

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new complexities and humanly un ⁄ readable images
Neue Komplexität und für den Menschen un ⁄ lesbare Bilder

Mit der Einführung von Simulationstechnologien, zu denen heute auch KI und Algorithmen für maschinelles Lernen gehören, hat sich der Raum für latente Bilder erweitert. Bilder beruhen nicht mehr nur auf dem aufgenommenen Objekt, dem Aufnahmegerät und seiner Darstellungsweise, sondern auch auf intelligenten Prozessen, die nun jeden Schritt der Bildverarbeitung verkomplizieren.
Infolgedessen werden Bilder nicht mehr nur als Beweismittel oder zur Veranschaulichung und Erklärung verwendet, sondern auch zur Vorhersage und Erforschung von Szenarien, die zuvor nicht zugänglich oder gar denkbar waren. Darüber hinaus haben sich die Bildverarbeitungstechnologien auf Produktionsräume ausgedehnt, die zuvor undenkbar und unerkennbar waren.

Arbeiten:
Alan Warburton, RGB FAQ, Videoessay (27:38 min), 2020
Memo Akten, Learning to see: Gloomy Sunday, HD Video (3:02 min), 2017
Rosa Menkman, The hologram rose, (4:30 min), 2021

Referenz Projekt/e
summer school
We invite you to a stroll through the exhibition im/possible images with artist and curator Rosa Menkman on Saturday, September 11, 3 pm.
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im/possible summer school
Rosa Menkman
Luzi Gross
summer school
Im Rahmen einer im/possible Summer School mit Workshops, Lectures und Screenings erkunden internationale Gäst*innen, lokale Künstler*innen und Forscher*innen (digitale) Bildinfrastrukturen.
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summer school
Ausstellungsrundgang mit Luzi Gross am Donnerstag, 2. September 2021, um 18 Uhr.
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talk to me
Julia Richter
summer school
talk to me ist ein offenes Gesprächsformat, das den Besucher*innen anbietet eins zu eins in Kontakt zu treten, Fragen zu stellen, die eigene Sichtweise zu diskutieren.
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