Vague Intellectual Pleasures

 

25.5.2022

format

reihe

termine

22.04.22, 19 Uhr, Vague Intellectual Pleasures
mit Marlene Halser über die psychedelische Renaissance

13.05.22, 19 Uhr, Vague Intellectual Pleasures
mit Anatole Lucet über Gustav Landauer

19.05.22, 19 Uhr, Vague Intellectual Pleasures
mit Paul-Philipp Hanske über Ekstasen

25.05.22, 19 Uhr, Vague Intellectual Pleasures
mit Michael Hirsch über Kulturarbeit

lokal [vorne]

Now closed

14:00–19:00 h

protagonist*innen

Jan Erbelding Künstler

Unter dem Titel Vague Intellectual Pleasures oder in der Abkürzung vague_ip organisiert der Künstler Jan Erbelding von April bis Mai 2022 eine Vortragsreihe für die Lothringer13 Halle. Vague Intellectual Pleasures widmet sich, als weit gefasstes Label, der Freude an sehr theoretischen Konstrukten und deren konkreter Auswirkung auf das gesellschaftliche Zusammenleben.

 

Freitag, 13. Mai 2022, 19 Uhr
Vague Intellectual Pleasures
mit Anatole Lucet über Gustav Landauer
Im zweiten Vortrag der Reihe vague_ip spricht Anatole Lucet über die politische Theorie Gustav Landauers und dessen demokratischen Sozialismus beziehungsweise Anarchismus. Es geht dabei um die emanzipatorische Rolle von Sprache und Sprachkritik und Mystik, von Literatur und Dichtung und Musik, in Gustav Landauers Theorien und darüber, was nun eigentlich in diesem Zusammenhang mit „mystischem Anarchismus“ gemeint ist. Neben einer Einführung in das Leben und Arbeiten Gustav Landauers, sprechen wir darüber, weshalb Gustav Landauers Theorien heute erneut ein größeres Interesse erfahren und welches Potential sich daraus noch immer für die Kunst ergibt, auf dem Weg zum guten freudigen Leben.

Gustav Landauer (1870-1919) war Schriftsteller und Philosoph. Auf Bitten von Kurt Eisner und Erich Mühsam kam Gustav Landauer im November 1918 nach München und wurde im April 1919 „Kultusminister“ der ersten Münchner Räterepublik.
Anatole Lucet arbeitet im Bereich der politischen Philosophie unter anderem zur Rolle der Utopie, zu Theorie und Praxis der Befreiung und zum emanzipatorischen Potential der Erziehung. Nach seinem Bachelor of Arts in Politics, Philosophy and Economics in Europe (University of Kent / Sciences Po Lille) studierte er Philosophie und Philosophiegeschichte an der École normale supérieure de Lyon. Im Anschluss an seine Promotionsarbeit „Gemeinschaft und Revolution bei Gustav Landauer" übersetzte er zusammen mit Jean-Christophe Angaut eines der wichtigsten Werke Gustav Landauers, den „Aufruf zum Sozialismus“ (1911) ins Französische.


Donerstag, 19. Mai 2022, 19 Uhr
Vague Intellectual Pleasures
mit Paul-Philipp Hanske über Ekstasen
"Außer sich und ganz im Jetzt – der Boom der Ekstasen in Kunst und Leben"

Schamanismus, Psychedelik, Mystik: die Kunst der Gegenwart ist beherrscht von Phänomenen, die – trotz formaler Differenz – eine Gemeinsamkeit haben: sie beziehen sich auf ekstatische Kulturtechniken. Rausch, Rituale und Selbstvergessenheit haben im Augenblick eine enorme Strahlkraft. Und nicht nur in der Kunst. Auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen – in Lifestylephänomenen wie der Achtsamkeit, der neuen Spiritualität aber auch in der Tech-Welt – werden Ekstasen zunehmend als Tool der Selbstoptimierung verwendet; genauso wie sie von rechter Seite in einer Feier der Archaik vereinnahmt werden. Der Vortrag stellt ein anthropologisches Modell der Ekstatik vor, das diese unterschiedlichen Phänomene greifen kann und stellt die Frage, wieso das alles gerade jetzt stattfindet. 

Paul-Philipp Hanske ist einer der Gründer der Redaktionsagentur Nansen & Piccard in München. Zusammen mit seinem Kollegen Benedikt Sarreiter arbeitet er gerade an einem neuen Buch: Ekstasen der Gegenwart (Matthes & Seitz Berlin). 2015 veröffentlichten beide Neues von der anderen Seite – die Wiederkehr des Psychedelischen (Suhrkamp). 

Nach dem Vortrag wird Maibowle gereicht. 


Mittwoch, 25. Mai 2022, 19 Uhr
Vague Intellectual Pleasures
mit Michael Hirsch über Kulturarbeit
Es gibt nicht nur das Unbehagen an der Kultur, es gibt auch ein Unbehagen an der Kulturarbeit, an ihren Produktionsverhältnissen: an den Bedingungen, unter denen Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Musiker, Publizisten und Schriftstellerinnen diejenigen Tätigkeiten ausüben, die eigentlich für ein anderes, freieres Verhalten zu Dingen, zu anderen und zu sich selbst stehen.
Michael Hirschs Buch KULTURARBEIT. PROGRESSIVE DESILLUSIONIERUNG UND PROFESSIONELLE AMATEURE fragt nach den Lebensweisen und Handlungsformen, die möglicherweise schon längst da sind, die aber nicht sichtbar werden können, da wir dauernd mit den unausweichlichen Enttäuschungen des Betriebs kämpfen. Michael Hirsch liest aus seinem Buch und spricht im Anschluss mit uns über das (fast) wahre Leben und die Arbeit an den Widersprüchen, über Doppelleben und Nichtidentität in Bezug auf ein Leben von und Leben für Kunst, Wissenschaft und Politik und über progressive Desillusionierung und Selbstermächtigung als Durchquerung des Phantasmas und Revision der Erwartungen.

Michael Hirsch (*1966), Dr. phil. habil, ist Philosoph, Politikwissenschaftler und Kunsttheoretiker. Er lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Siegen und lebt als freier Autor in München. Er arbeitet regelmäßig für Rundfunk (Bayern 2, Deutschlandfunk, SWR 2), Zeitungen und Zeitschriften (u.a. Blätter für deutsche und internationale Politik, Der Freitag, Die Gazette, Jungle World, Oxi Blatt, Prager Frühling, Telepolis). 1997 war er Teilnehmer der documenta 10 als Mitglied der Jackson Pollock Bar (Theorieinstallationen). Buchveröffentlichungen (Auswahl): Kulturarbeit. Progressive Desillusionierung und professionelle Amateure (2022); Richtig falsch. Es gibt ein richtiges Leben im falschen (2019); Die Überwindung der Arbeitsgesellschaft. Eine politische Philosophie der Arbeit (2016); Logik der Unterscheidung. 10 Thesen zu Kunst und Politik (2015)


vergangene Termine:
Freitag, 22. April 2022, 19 Uhr
Vague Intellectual Pleasures
mit Marlene Halser
Im ersten Vortrag spricht Marlene Halser zum aktuellen Hype um die „Psychedelische Renaissance“, zwischen gesellschaftlicher Utopie und rassistischer Drogenpolitik. Sie geht dabei der Frage nach, ob uns bewusstseinserweiternde Drogen, wie beispielsweise LSD, Magic Mushrooms oder MDMA, wirklich zu besseren Menschen machen, und welche Rolle die Ich-Auflösung aktuell bei der Heilung von Suchtkrankheiten spielt. Es geht darum, wer genau durch welchen Drogenkonsum schlicht als gesellschaftsunfähig gilt und wer dafür total abgefeiert wird und warum eigentlich. Wir hören, wer von einer möglichen Cannabislegalisierung profitieren wird und sprechen über die komplexen Auswirkungen, die eine legale Vermarktung bewusstseinserweiternder Substanzen mit sich bringt.

Marlene Halser ist freie Journalistin aus Berlin und schreibt unter anderem für Vice, taz, Zeit und die Süddeutsche. Im feministischen Magazin „Anschläge“ veröffentlichte sie 2020 zusammen mit ihrer Kollegin Maike Brülls einen umfassenden Artikel zur „Glorifizierung des kaputten, weißen Mannes“. Aktuell ist ihre weitreichende Recherche zu Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt innerhalb der Sekte Bhakti Marga als sechsteiliger Podcast beim Hessischen Rundfunk veröffentlicht worden. Hier könnt ihr den Podcast mit dem Titel „Just Love“ in der ARD-Mediathek hören: https://www.ardaudiothek.de/sendung/just-love/96463766/ 
Eine Übersicht über die journalistische Arbeit von Marlene Halser findet ihr unter: 
https://www.torial.com/marlene.halser